Probleme und Herausforderungen

Risiken und Folgen einer Frühgeburt

Wird ein Baby zu früh geboren, sind einige Organe und Körperfunktionen noch nicht vollständig ausgebildet. Die Atmung bereitet etwa oft noch Probleme, das Immunsystem ist noch unreif und der Saugreflex, der wichtig für die Nahrungsaufnahme ist, ist noch nicht ausgebildet. Daher müssen die meisten Babys, die in oder vor der 35. Schwangerschaftswoche geboren werden, auf der Intensivstation betreut werden.

Erkrankungen der Lunge

Da die Lunge im dritten Schwangerschaftstrimester erst richtig ausgebildet wird, haben Frühgeborene meist Atemprobleme. Die unzureichende Lungenreife und die mangelnde Elastizität der Lungenbläschen bereiten Frühgeborenen große Probleme beim selbstständigen Atmen. Eine Beatmungsmaschine führt dem Baby Sauerstoff zu und verhindert durch den Druck gleichzeitig das Zusammenfallen der Lungenbläschen.

Der sogenannte Surfactant, der die Entfaltung der Lungenbläschen und damit die Ausdehnung der Lunge ermöglicht, wird erst ab der 26. Schwangerschaftswoche gebildet. Wenn die unreife Lunge nicht genügend Surfactant bildet, entsteht das Atemnotsyndrom (RDS = „respiratory distress syndrome“), das häufig eine künstliche Beatmung notwendig macht. Um die Lungenreife zu beschleunigen, kann der Mutter bei drohender Frühgeburt Kortison, die sogenannte „Lungenreifungs-Spritze“, verabreicht werden.

Folge der Lungenunreife und der künstlichen Beatmung kann eine bronchopulmonale Dysplasie (BPD), eine chronischen Lungenerkrankung, sein. Dabei muss über einen längeren Zeitraum zusätzlich Sauerstoff zugeführt und/oder medikamentös behandelt werden.

Immunsystem und Infekte

Da das Immunsystem von Frühgeborenen noch unreif ist, kommt es zu einer erhöhten Infektanfälligkeit sowie Problemen bei der Überwindung von Infekten. Extrem kleine Frühgeborene sind besonders stark gefährdet, an einem Infekt zu erkranken. Eine frühzeitige Prophylaxe oder Behandlung von Infekten hilft Folgeschäden zu vermeiden.

Folgen für das Gehirn

Die Atemregulationszentren im Gehirn zu früh geborener Babys sind noch unreif und können dadurch kurze Atemstillstände (Apnoen) oder eine Verlangsamung des Herzschlags (Bradykardien) verursachen. Eventuell muss man medikamentös behandeln, meist gibt sich diese Problematik jedoch bis zum Zeitpunkt des errechneten Geburtstermins von selbst.

Ein anderes Problem von Frühchen sind Hirnblutungen, die gehäuft bei vor der 32. Schwangerschaftswoche geborenen Kindern auftreten können. Ihre Blutgefäße sind noch nicht ausgereift und sehr empfindlich. Je nach Stärke der Blutung kann es zu Folgeproblemen kommen.

Risiken für den Darm

Frühgeborene leiden wesentlich häufiger an einer Darmentzündung, der sogenannten nekrotisierenden Enterokolitis (NEC), als reifgeborene Kinder. Ursache sind die Unreife des Darms und die Überwucherung durch krankheitsverursachende Keime. Ein Darmdurchbruch ist die schwerste mögliche Folge.

Probleme mit der Verdauung

Der Saugreflex des Babys ist vor der 35. Schwangerschaftswoche nur schwach entwickelt. Auch das Verdauungssystem ist meist noch zu unreif, um eine größere Menge Milch verdauen zu können. Viele Frühgeborene sind daher auf eine Sondenernährung angewiesen, über die sie regelmäßig kleine Mengen Milch zugeführt bekommen.

Defekte am Herzen

Defekte der Herzscheidewände sind typische Herzanomalien, die bei Frühgeborenen auftreten können. Der sogenannte Ductus Botalli verbindet vor der Geburt Lungen- und Körperschlagader miteinander und ermöglicht so die Umgehung der noch funktionsunfähigen kindlichen Lunge. Wenn der Ductus Botalli nach der Geburt nicht verschlossen wird, kann es zu Störungen des Blutkreislaufes kommen. Dieser „persistierende Ductus arteriosus Botalli (PDA)“ muss in den meisten Fällen medikamentös oder chirurgisch behandelt werden.

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