Hochrisikokinder

Es gibt drei Gruppen von Kindern, die besonders gefährdet sind, eine ernsthafte Atemwegserkrankung durch die RSV-Infektion zu entwickeln. Da Frühgeborene eine noch nicht voll entwickelte Lunge und ein noch nicht vollständig entwickeltes Immunsystem haben, kann eine RSV-Infektion besonders schwer verlaufen. Vor allem in den ersten Lebensmonaten sind Frühgeborene stark gefährdet.

Kinder mit Lungenerkrankungen sind durch ihre eingeschränkte Lungenfunktion besonders anfällig für schwere Verläufe einer RSV-Infektion.

Kinder mit schweren, angeborenen Herzfehlern leiden häufig unter einer Beeinträchtigung des Herz-Lungen-Systems. Bei ihnen kann eine RSV-Infektion dann zu einer weiteren Belastung und möglichen Komplikationen führen.

Weitere Risikofaktoren

Folgende Faktoren erhöhen die Ansteckungsgefahr bzw. das Risiko einer schweren Infektion:

  • ältere Geschwister im Kindergarten- oder Schulalter – sie können die Krankheitserreger mit nach Hause bringen.
  • der Besuch einer Kindertagesstätte - durch den Kontakt mit anderen Kindern kann eher eine Übertragung erfolgen.
  • eine Mehrlingsgeburt - diese Kinder kommen oft zu früh und mit einem niedrigen Gewicht zur Welt und können sich eher untereinander anstecken.
  • Tabakrauch und andere Luftverunreinigungen - die Lunge des Babys kann dadurch Schaden nehmen, was den Verlauf der Infektion erschweren kann.
  • Kinder mit bronchopulmonaler Dysplasie (BPD) haben eine eingeschränkte Lungenfunktion, weshalb bei ihnen eine Erkrankung der Lungen zusätzliche Komplikationen hervorrufen kann.
    • Bronchopulmonale Dysplasie ist eine chronische Lungenkrankheit, die als Folge der Lungenunreife und länger andauernder künstlicher Beatmung bei Frühgeborenen auftreten kann. Sehr früh geborene Kinder haben aufgrund ihrer unreifen Lunge mit Mangel an Surfactant ein hohes Risiko für das Erkranken an einer BPD. Surfactant ist dafür verantwortlich die Oberflächenspannung in den Lungenbläschen zu reduzieren und dadurch Schäden in der Lunge vorzubeugen. Daher erkranken vor allem frühgeborene Kinder mit einem geringen Geburtsgewicht (unter 1.000 Gramm) oder vor der 32. Schwangerschaftswoche an einer BPD.
    • Symptome einer BPD sind eine erhöhte Atemfrequenz, vertiefte angestrengte Atmung mit Einziehungen am Brustkorb, vermehrtes Bronchialsekret und Husten. Kindern mit einer BPD muss über einen längeren Zeitraum zusätzlich Sauerstoff zugeführt werden und sie müssen medikamentös behandelt werden. Je nach Schweregrad der Erkrankung und Wirksamkeit der Behandlung kann oft im Laufe des 1. Lebensjahres eine Besserung erzielt werden. Es kann aber auch zu einer langwierigen Schädigung der Lunge bis ins frühe Erwachsenenalter kommen.
  • Kinder mit angeborenen Herzfehlern haben allgemein eine eingeschränkte Herz- Lungenfunktion. Erkrankungen der Lungen können daher bei ihnen zusätzliche Komplikationen hervorrufen.
    • Rund acht bis zehn von 1.000 Neugeborenen kommen mit einem Herzfehler zur Welt, bei Frühgeborenen ist der Anteil jedoch ca. doppelt so hoch. Es gibt verschiedene Formen von angeborenen Herzfehlern. Herzgeräusche geben oft den ersten Hinweis auf einen Herzfehler, die genaue Diagnose wird dann vom Kinderkardiologen gestellt. Zu den häufigsten Fehlbildungen des Herzens zählen unter anderem der Ventrikelseptumdefekt (VSD), der Vorhofseptumdefekt oder das Offene Foramen ovale. Eine frühe Diagnose ist wichtig, um das Baby rechtzeitig behandeln und/oder überwachen zu können. Je nach Art und Stärke des Herzfehlers kann es zu Beschwerden kommen. Leichte Herzfehler können sich in manchen Fällen allein zurückbilden, schwere Herzfehler müssen hingegen oft operativ behandelt werden.
  • Kinder mit angeborener Immunschwäche sind aufgrund ihrer eingeschränkten Abwehrkräfte ebenfalls besonders gefährdet, am RS-Virus zu erkranken. Rund eines von 20.000 Babys ist davon betroffen, eine echte Immunschwäche ist somit sehr selten.
    • Das kindliche Immunsystem ist noch nicht ausgereift, daher sind bis zu zwölf Infektionen pro Jahr bei Säuglingen und Kleinkindern normal. Warnzeichen für eine geschwächte Abwehr sind hingegen, wenn das Baby im Verlauf eines Jahres hartnäckige Pilzinfektionen, Gedeihstörungen, mehrere fieberhafte Infektionen, mehrere schwere Ohrinfektionen, mehrere Lungenentzündungen u.ä. mitmachen muss. Wichtig ist auch, wie Infekte ablaufen, ob sich das Baby von selbst erholt oder nur durch Antibiotika wieder gesund wird. Immundefekte sind oftmals genetisch bedingt, daher sollten Eltern besonders aufmerksam sein, wenn Störungen der Immunabwehr in der Familie bekannt sind. Ist das Kind besonders oft krank, sollte es von einem Kinderarzt gründlich untersucht werden.
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